Für immer Auwi – Teil 1

Meine Seele

Mein Papa „Auwi“ ist am 14.05.2019 gestorben. Und heute möchte ich meine Gedanken dazu niederschreiben,  damit meine Seele wieder Luft zum Atmen bekommt.

Der Anfang vom Ende

Auch, wenn ich darauf vorbereitet war, es hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Wie ich euch berichtet habe, ist meine geliebte Mama Karla am 29.10.2016 an den Folgen eines Herzinfarktes gestorben. Nun ist mein geliebter Papa ihr gefolgt. Zwei Leben, eine gemeinsame Vergangenheit, meine wunderbaren Eltern, einfach nicht mehr da. Durch verdammte Krankheiten. Zeit heilt Wunden sagt man, für mich ist es kein Trost. Zumindest im Moment noch nicht.

Als meine Mama starb ist für uns alle und insbesondere für  meinen Vater eine (geliebte) Welt zusammengebrochen. Er hat sich in der Zeit der Krankheit meiner Mama aufopferungsvoll um sie gekümmert, so wie es ein liebender Ehemann nur tun kann. Aber mein Mann und ich sahen auch, dass er bis zu seinem Lebensende nie über den Tod seiner „Karla“ hinweggekommen ist.  Ich hätte nie gedacht, dass  er seinen eigenen Lebensmut nach dem Tod meiner Mama immer mehr verloren hat.

Krebs ist ein Arschloch

Dann kam ein Tag im September, als mir mein Papa mitteilte, er habe so einen Knubbel an der Schulter, der ihn störte. Ich riet ihm zum Arzt zu gehen. Der Chirurg gab erst einmal Entwarnung, es sei ein Sarkom, nichts schlimmes. Das Teil wurde entfernt, die Wunde heilte gut und der Störenfried war schnell vergessen.  Zwei Wochen später änderte sich unser aller Leben schlagartig, als mich mein Papa im Büro anrief und mir mitteilte, das Sarkom wäre doch etwas schlimmes und zwar eine Metastase. Mir blieb die Luft weg, mir liefen die Tränen, ich hörte meinen Papa weinen.  Da ich eine total verständnisvolle Chefin hatte und die auch meinen Papa kannte, erlaubte sie mir, dass ich sofort zu ihm fahren durfte.

Ich habe und hatte die tollsten Eltern der Welt. Und da war es selbstverständlich, dass mein Mann und ich meinen Vater so gut wir konnten unterstützen. Es folgten viele Untersuchungen, bis feststand das mein Vater an dem sogenannten „Barrettadeno-Karzinom“ litt. Das ist eine Form von Speiseröhrenkrebs, der sich im unteren Teil  der Speiseröhre am Übergang zum Magen bildet. Und die Metastase am Schulterblatt war das erste Anzeichen, dass sich an einer primären Stelle im Körper der verdammte Krebs gebildet hatte. Als wir das Gespräch gemeinsam mit der behandelnden Ärztin im Krankenhaus führten wurde uns erklärt, das der Tumor schon soweit in andere Körperteile (Becken, Oberschenkelknochen, Rippen) gestreut hätte, dass eine Operation zur Heilung nicht mehr möglich sei. Um meinem Papa noch so viel wie möglich an Lebensqualität zu erhalten, gäbe es allerdings eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten im palliativen Bereich.

Kämpfer

Mein Vater ist und war eine Kämpfernatur. Auch wenn er den Tod seiner lieben Frau und meiner lieben Mutter nie verwunden hat, er wollte weiterleben. Für sich selbst, für seine geliebte Tochter und für seinen wunderbaren Schwiegersohn. Es folgten viele Wochen und Monate mit zahlreichen Untersuchungen, Chemotherapien (die er ohne große Nebenwirkung meisterte), die meinem Vater und uns viel Hoffnung und Zuversicht gaben. Ich bin sehr froh und dankbar, dass wir nochmal an unseren gemeinsamen Lieblingsurlaubsort Oberstdorf verreisen konnten, mein Papa wünschte sich auch nochmal einen Ausflug in unsere zweite Heimat Koblenz und er kaufte sich doch tatsächlich noch ein neues Auto! Nie hätte ich gedacht, dass mich sein Satz „Was bin ich froh ihr beiden, dass ich das alles noch einmal mit euch erleben durfte!“ so tief ins Herz treffen würde. Es sah doch alles so zuversichtlich aus, die Chemotherapie schlug an, sein Onkologe erklärte uns  im Juni 2018, dass  die nächste Chemo-Phase erst wieder Ende des Jahres notwendig wäre.

Herbst

Und dann kam der Herbst. Ich bin immer gerne auf dem Heimweg vom Büro zu Papa gefahren, er kochte mir immer liebevoll was leckeres zu essen. Das schöne ist, dass mein Papa sich im Alter bzw. während der schweren Herzerkrankung meiner Mama zu einem tollen Koch entwickelte. Als Witwer hat er sich in seiner „gesunden Zeit“ immer tolle und leckere Gerichte gekocht und eben auch für uns, wenn wir ihn am Wochenende gerne besuchten.  Durch die Chemotherapie veränderte sich sein Geschmacksempfinden, umso besorgter war er dass es uns nicht gut schmecken könnte. Umso schöner war es, dass es uns immer geschmeckt hatte und man erstaunlicherweise nie nachwürzen musste! Und dann kamen ihm vor lauter Stolz immer ein paar Tränchen. Aber irgendwann veränderte sich unser aller Welt weiter und mein ungutes Gefühl wurde immer größer.

Veränderung

An Weihnachten wechselten wir uns mit den Besuchen immer ab. Am zweiten Weihnachtsfeiertag 2018 hatten wir besprochen bei Papa zu feiern und hatten versprochen, dass wir das Weihnachtsmenü mitbringen. Das war der Tag an dem sich schlagartig alles schlimm veränderte. Was mein Papa sicher aus lauter Liebe zu mir verborgen hatte, wurde nun offensichtlich. Er konnte nicht mehr richtig essen. Was dann kam, war für meinen Papa und uns die schlimmste Zeit. Mit einer der stärksten Chemo-Therapien (Cis-Platin)  in Kombination mit Bestrahlungen baute mein Kämpfer-Papa immer mehr ab.  Es war sein Wunsch, dass er solange wie möglich zu Hause bleiben wollte. Ein häuslicher Pflegedienst wurde beauftragt, damit er künstliche Ernährung bekam. Es  kam jeden Abend ein Pfleger, schloss meinen Papa über seinen Port an die künstliche Ernährung an. Durch einen Rucksack indem der Beutel der künstl. Ernährung untergebracht war, konnte sich tagsüber frei bewegen soweit es ihm noch möglich war und er Lust dazu hatte.

Im zweiten Teil geht’s weiter…

 

 

Das Tattoo meines Lebens

Leute, es ist wieder soweit. Ich habe schon wieder ein Tattoo! Von meinem ersten Tattoo, ein „Umalome“, hatte ich euch ja vor einiger Zeit schon erzählt. Das Tattoo trage ich mit Stolz seit Oktober 2019. Und wo schon ein Körperschmuck vorhanden ist, lässt manchmal der zweite nicht lange auf sich warten. Ich habe sehr intensiv überlegt, was das nächste Motiv sein könnte. Denn wie ihr ja wisst, ist ein Tattoo eine Entscheidung für das ganze Leben und von daher will es gut überlegt sein. Wie schon berichtet verbindet mich mein erstes Tattoo mit den fantastischen, aber auch denkwürdigen Erlebnissen unserer Indienreise. Diese Reise hat mich so tief beeindruckt und fasziniert mich bis heute über alle Maßen. Manche Leute tragen ein Tattoo einfach als Körperschmuck, weil sie das Motiv so schön finden. Mit meinem Motiv möchte ich aber etwas aus meinem Leben verbinden, wie beispielsweise die beeindruckende Reise nach Indien.

Wie eine Eingebung kam mir dann die zündende Idee für mein nächstes Tattoo. Die Unterschriften meiner Eltern. Wie ich bereits berichtet habe, ist meine Mama im Oktober 2016 verstorben, mein Vater folgte ihr im Mai 2019, nach einer schweren Krebserkrankung. Davon erzähle ich euch in einem der folgenden Berichte. Meine Eltern habe ich so sehr geliebt. Sie waren mir die liebsten und die besten Eltern, die man sich nur wünschen konnte. Wir haben zusammen gelebt, gelacht, erlebt, geweint. Ich hatte eine  geborgene Kindheit und tolle Jugend, da lag der Wunsch nahe, meine Eltern immer bei mir zu haben. Gesagt getan! Erst einmal musste ich nach den Unterschriften suchen. Bei meiner Mama „Karla“ war das kein Problem. Ein Eintrag im Poesiealbum war ganz schnell gefunden. Aber bei meinem Vater „August-Wilhelm“, genannt „Auwi“ (den ich übrigens immer so genannt habe, Auwi war für mich das Synonym für „Papa“) war es dann schon schwieriger. Aber auch die Unterschrift haben wir dann nach langem Suchen gefunden. Ein Termin bei meinem Tattoostudio war rasch ausgemacht, doch leider kam die Corona-Pandemie dazwischen und der herbeigesehnte Termin musste erstmal bis auf weiteres verschoben werden. Aber nach rund 2 Monaten hatte das Warten dann ein Ende. Die Tattoostudios durften endlich wieder ihren Betrieb aufnehmen und ich wurde als einer der ersten Kunden für einen Termin angefragt.

Die Vorlage dazu hatte ich im Studio schon vorher abgegeben, sie wurde positioniert und los ging es. Vom ersten Tätowieren wusste ich, was schmerzmäßig auf mich zukam, aber an der Stelle am linken Unterarm war es erstaunlich erträglich und nach etwa 1 1/2 Stunden war es auch schon vollbracht. Zum ersten Mal konnte ich mir das Ergebnis anschauen und es ist perfekt gelungen! Und für mich war es ein absolutes Glücksgefühl! Es ist interessant, wie viele Leutchen mich schon auf dieses Tattoo  angesprochen haben und immer wieder ist es ein tolles, warmes Gefühl davon zu berichten, wer die beiden Namen sind.

Lindenstraße – eine Ära geht zu Ende

Nur noch 4 Wochen und die ARD-Serie „Lindenstraße“ geht zu Ende. Was am 08. Dezember 1985 begann, endet am 29. März 2020.

Fast ein ganzes Leben mit der Lindenstraße

Ich verfolge die Lindenstraße seit der ersten Folge und habe sie immer gerne gesehen. Die Fernsehprogrammkonferenz der ARD hat sich mehrheitlich gegen eine Verlängerung des Produktionsvertrages  mit der produzierenden Firma GFF entschieden.

Das Leben der Straßenbewohner wird recht realitätsnah dargestellt. Vielfältige, meist problemhaltige Facetten realen menschlichen Lebens werden in teils mehrere Jahre übergreifenden Handlungssträngen aufgegriffen. Sich allmählich entwickelnde Ehekrisen in bis dahin scheinbar heilen Familien (wie zum Beispiel in früheren Jahren bei Ehepaar Schildknecht, später bei Ehepaar Beimer und Ehepaar Sperling) zählen ebenso dazu wie Pubertätsprobleme bei den zahlreichen jugendlichen Figuren (zum Beispiel in Gestalt von Liebeskummer, verfrühter Schwangerschaft, Essstörungen, Drogenabhängigkeit) sowie auch politischer oder religiöser Extremismus. So gehörte zum Beispiel die Hauptfigur Klaus Beimer zu Jugendzeiten der Neonazi-Szene an. Es gab Coming-out-Prozesse (wie beim schwulen Carsten Flöter im ersten Jahr der Serie, später dann auch bei der lesbischen Tanja Schildknecht und anderen), langwierige Versuche zur Erfüllung von Kinderwünschen (zum Beispiel bei Valerie Zenker und Ines Kling wegen Zeugungsunfähigkeit ihres jeweiligen Partners, bei Berta Griese wegen Unfruchtbarkeit oder bei gleichgeschlechtlichen Paaren), komplizierte Krankheitsverläufe (z. B.  AIDS bei Benno Zimmermann Ende der 1980er Jahre, Alzheimer bei Hubert Koch in den 1990ern, Herzkrankheit bei Erich Schiller im Jahr 2009, Parkinson bei Hans Beimer im Jahr 2015), Wechseljahres- und Alterskrisen, aber auch Berufliches (Existenzgründungen mit Restaurants und Läden) und basisdemokratisches Engagement (Quelle Wikipedia).

Für viele Lindenstraßenbegeisterte war es sicherlich unangenehme Information, dass diese beliebte – eigentlich nicht mehr wegzudenkende Serie – abgeschafft werden soll. Als Fan der Lindenstraße hat es mich sehr gefreut, dass die Macher der Lindenstraße ein Stück Erinnerung bewahren wollten. Einige der Requisiten und Kostüme werden einen Platz in Museen als Erinnerung bekommen. Die Küche von Helga Beimer wird beispielsweise im „Haus der Geschichte“ in Bonn zu sehen sein. Das Technik Museum Speyer, das seit 2012 eine Dauerausstellung zur „Lindenstraße“ zeigt und bereits die Küche von Else Kling beherbergt, wird u.a. zusätzlich das Restaurant „Akropolis“ und das „Café Bayer“ in seine Sammlung aufnehmen.

Der Flohmarkt

Umso erstaunter war ich , als ich auf der Homepage der Lindenstraße von einer Verlosung zur Teilnahme an einem „Lindenstraßen-Flohmarkt“ las. Es gab im Februar 2020 in den WDR-Studios in Bocklemünd, wo die Lindenstraße gedreht wurde, drei Termine zur möglichen Teilnahme an einem Flohmarkt. Hier wollte die Produktionsfirma GFF den Fans die Gelegenheit geben, in den Requisiten bzw. Kostümen zu stöbern, um diese dann käuflich zu erwerben. Der gesamte Erlös sollte dann an karitative Institutionen (Kinderheime, Obdachlosenhilfe, etc.) gespendet werden.   Man musste nur eine Mail mit dem Wunsch seiner Teilnahme verfassen und Glück haben. So geschehen am vergangenen Dienstag, als ich fast schon nicht mehr daran gedacht hatte, dass es noch eine Chance auf die Teilnahme am letzten Samstag im Februar 2020 gab. Ich checkte meine Mails und traute meinen Augen nicht. Eine Mail aus der Presseabteilung der Lindenstraße, wir hatten gewonnen!!!! Ich konnte mein Glück kaum fassen!

Samstagmorgen ging es dann zu den WDR-Studios. Alle Gewinner wurden herzlich empfangen, Daten wurden gecheckt und dann durften wir mit dem Auto auf das Produktionsgelände. Und waren der Lindenstraße auf einmal ganz nah! Die Studios, wo die Innenaufnahmen gedreht wurden, liegen  direkt an der Außenkulisse der Lindenstraße. In den ehemaligen Studios fand der Trödelmarkt statt. Plötzlich standen wir in den ehemaligen Wohnungen der Lindenstraßenbewohner: im Flur von Mutter Beimer, in Angelinas Wohnung, in Carsten Flöters Küche usw. Und es waren so viele tolle Requisiten zu bestaunen und zu erwerben. Von Hajo Scholz Kontrabass über viele Wandbilder, Möbelstücke, Rolands Überlebenspakete, bis hin zu Hans Beimers Grabkreuz gab es viel zu bestaunen und zu erwerben! Das Prozedere lief dann folgendermaßen ab: Überall lagen Blanco-Formulare aus, in die man die Gegenstände/Kleidungsstücke eintragen konnte, die man mitnehmen wollte. An allen Gegenständen, wo kein Preis verzeichnet war, konnte man sich einen Preis überlegen, den man bereit war zu zahlen. Natürlich durfte der Preis auch mal etwas höher ausfallen, es kam ja einem karitativen Zweck zugute. Also los ging es und wir wurden schnell fündig: Teller aus Carsten Flöters Küche, Kaffeetassen aus Klaus Beimers Küche, ein Milchkännchen aus der Zenker-Wohnung,  einen dekorativen Wandkranz, eine Aigner-Geldbörse (!) von Angelina Dressler, ein Shopper den Nina Zöllig mal benutzt hatte und zwei Teelichte aus Stein, die zur Wohnung Tanja Schildknecht/Sunny gehörten. Gerne hätten wir noch ein riesiges Bild von „Laura Brooks“, die Serientochter von Ärztin Dr. Iris Brooks mitgenommen. Es wurde seinerzeit von Jack Aichinger fotografiert und Stück für Stück zusammengesetzt und auf Leinwand gedruckt, es hat beeindruckende Maße und sieht einfach faszinierend aus. Es hätte auf jeden Fall in unserer Wohnung einen schönen Platz gefunden, aber leider wäre unser Auto für den Transport viel zu klein gewesen.

Alles in allem war es ein wunderschöner Tag im Studio der ehemaligen Lindenstraße ein bisschen rumzustöbern, in Erinnerungen zu schwelgen und einige Andenken mitzunehmen.

Der Abschied

Und in 4 Wochen ist es dann vorbei mit der Serie „Lindenstraße“. Eine Serie, die in Deutschland Geschichte geschrieben hat und die mir sehr fehlen wird. Ich hoffe sehr, dass die Esemblemitglieder schnell neue Engagements finden und man sie im TV wieder sehen wird. Auf jeden Fall möchte ich allen Mitwirkenden und dem Produktionsteam meinen Dank aussprechen. Danke dafür, dass ihr alle einen tollen Job gemacht hat und man 34 Jahre lang immer wieder gut unterhalten wurde!

Lindenstraße, du wirst mir fehlen!

 

 

Da bin ich wieder…. hallo Welt….

Liebe Leserinnen und Leser!

Ich habe lange nichts mehr von mir hören lassen. Aber da bin ich nun wieder. Das hatte drei Gründe: Unser Umzug, mein altes, lahmes Laptop.

Und meine Mama.

Sie ist am 29. Oktober 2016 gestorben. Sie war schwer herzkrank, hatte vor 11 Jahren einen Herzinfarkt, bekam drei Bypässe eingesetzt. Viele Jahre konnte sie gut damit weiterleben. Vor zwei Jahren verschlechterte sich ihr Zustand. Die Krankenhausaufenthalte nahmen zu. Das Jahr bevor meine Mama starb war für mich mit viel Angst verbunden. Durch unseren Umzug und meinen geliebten Mann hatte ich zwar jede Menge Ablenkung, doch jedesmal, wenn wir einen Anruf von meinem Papa bekamen, dann blieb auch mein Herz für einen Moment still stehen. Soviel Angst hatte ich vor dem Tag der Tage, der irgendwann mal kommen musste. Mamas Herz wurde immer schwächer. Sie war oft müde und es machte ihr enorme Schwierigkeiten Treppen zu steigen, weil sie nicht mehr die Kraft und die Luft hatte. Umso schöner, dass sie im Juli 2016  unser neues Zuhause erleben durfte. Spontan hatte sie den Wunsch verspürt, uns im neuen Heim zu besuchen. Und so packte mein Papa sie ins Cabrio und die beiden besuchten uns. Zwar befanden wir uns noch in den Renovierungsarbeiten, aber ich glaube, sie war begeistert und beruhigt, dass wir es so schön angetroffen haben.

Und dann kam im August unser Umzug in das gemeinsame Domizil. Leider hat sie nicht mehr mitbekommen, wie schön und gemütlich wir das neue Zuhause gestaltet haben. Mitte Oktober war bei ihr ein kleiner Eingriff geplant, der ihr krankes Herz und den Organismus entlasten sollte, Mama bekam den sogenannten „Watchman“ eingesetzt, ein keines Schirmchen, der den linken Bereich des Vorhofohrs verschließt und somit verhindert, dass ein Schlaganfall entsteht. Wer Angehörige hat, die einen Herzinfarkt überlebt haben, die wissen wieviele Medikamente Herzpatienten einnehmen müssen bzw. welche Nebenwirkungen (z. B. Schlaganfall, etc.) entstehen könnten.  Also wurde der Eingriff am 26.Oktober 2016 durchgeführt und es ging ihr nach dem Eingriff ganz gut. Leider war ich in dieser Woche krank und durfte sie zu diesem Zeitpunkt nicht besuchen. An diesem Tag hatte ich schon eine enorme Angst und war so froh, als ich dann wenigstens endlich wieder mit ihr telefonieren konnte.

Sie erzählte mir am Telefon, dass der Eingriff schwierig war und sie es auch so verspürt hat, aber ich war doch zu froh, dass sie wieder auf dem Weg der Besserung war.

Dann kam der bisher schlimmste Tag in meinem Leben! Mein Mann und ich kamen vom Einkaufen zurück und ich verspürte das Gefühl mit meiner Mama zu telefonieren um ihr zu sagen, das ich sie vermisse und das wir sie am darauffolgenden Sonntag besuchen wollten, da ich wieder fit war. Ich rief sie im Krankenhaus an, sie nahm das Gespräch entgegen, kam mir aber unglaublich schläfrig vor. Anfangs konnte ich sie noch verstehen, sie sagte mir, dass ihr den ganzen Tag schon übel wäre, sie aber am Tropf angeschlossen wäre. Ich solle doch bitte mal meinen Papa anrufen, er würde mir dann alles erklären. Ich beruhigte sie und sagte ihr noch, dass sie sich ausruhen sollte und das wir sie morgen besuchen wollten. Den Rest den sie mir sagte, konnte ich gar nicht mehr verstehen, so verwaschen war ihre Sprache. Ich war so dermaßen beunruhigt, wie ich es die Tage vorher schon war und rief sofort meinen Vater an. Ich konnte ihn gerade noch erreichen, er wollte sich schon auf den Weg ins Krankenhaus machen. Er bestätigte mir Mamas Worte. Er wollte direkt wieder hin, da auch er sehr besorgt war.

Auch wenn ich es schon Tage vorher geahnt hatte, dass diese Woche kein gutes Ende nehmen sollte, nie hätte ich geahnt, dass der Besuch im Krankenhaus doch schon schneller erfolgen sollte.  Eine Stunde später kam der Anruf, vor dem ich mich immer so gefürchtet hatte. Wir waren gerade noch mit der üblichen Hausarbeit beschäftigt, als mein Handy klingelte. Mein Papa. Für den Bruchteil einer Sekunde habe ich das Handy nur angeschaut und habe sofort gespürt, was danach kommen sollte.  Ich erinnere mich genau an seine Worte: „Ihr müsst bitte sofort kommen. Die Mama ist gerade eingeschlafen…“ Da blieb für mich die Welt stehen. Ich wäre am liebsten in diesem Moment zusammengebrochen und musste doch für meinen Papa und für meine Mama stark bleiben.

Ich glaube, in diesem Moment ist auch ein kleiner Teil von mir gestorben.  Mir gingen soviele Bilder und Situationen durch den Kopf, die ich mit meiner Mama erlebt habe, positive wie negative. Ein Leben, welches mir meine Mutter und mein Vater geschenkt haben und dass ich 45 wunderbare Jahre mit meiner Mama und hoffentlich noch viele lange Jahre mit meinem Mann und natürlich auch mit meinem Papa erleben darf.

Wir sind direkt ins Krankenhaus gefahren und haben noch lange Zeit mit ihr verbracht, sie gestreichelt,  bis dann der Abschied für immer kam und wir sie allein lassen mussten. Bis zur Beisetzung war noch viel zu regeln und wir waren abgelenkt. Nach der Beisetzung habe ich noch gedacht, ich schaffe das, doch die Trauer nahm immer mehr Raum in meinem Leben ein. Mein Mann war so liebevoll und riet mir zum Arzt zu gehen, was dann auch der richtige Weg für mich war.

Sie ist.

Mittlerweile ist mehr als ein halbes Jahr vergangen únd ich denke jeden Tag an meine Mama. Voller Liebe und Dankbarkeit. Ich denke an die tollen und lustigen Momente und auch an die Momente, die mich nachdenklich machten. Meine Mama ist für mich mehr als nur eine Mama, sie ist für mich meine beste Freundin und Seelenverwandte. Ich weiss nicht, ob es ein Jenseits gibt, in der die Seelen der Toten weiter existieren. Ich wünsche es mir aber sehr! Manchmal da spüre ich noch immer eine ganz tiefe seelische Verbindung zu ihr, so wie wir beide sie immer schon hatten, als sie noch lebte. Plötzlich ist sie mir wieder ganz nah, ich kann es mir nicht erklären, aber es ist ein wunderbares Gefühl. So als wollte sie mir weiter Halt und Liebe geben.

So passierte es an dem Montag nach ihrem Tod, dass wir noch einige Dinge zur bevorstehenden Betstattung regeln mussten. Als wir auf dem Weg nach Hause waren, da kam uns der Wagen des Bestatters entgegen. In dem Moment war mir klar, dass in dem Auto meine Mutter liegt. Da ich den Bestatter am gleichen Tage noch anrufen musste, fragte ich ihn, ob er zur besagten Zeit auf dieser Straße unterwegs war. Seine Antwort: „Ja, da kam ich gerade vom Krankenhaus und habe ihre Mutter abgeholt“. Das war ein Moment, den ich nie vergessen werde. So traurig ich auch war, dieses tiefe Gefühl gibt mir heute Kraft. Ich weiss seitdem, dass das Leben und der Tod nur ein Zustand ist. Meine Mutter ist zwar nicht mehr hier, für mich ist sie einfach nur nebenan. An einem Ort, der hoffentlich wunderbar und ohne Sorgen und Leid ist, wo die Seele einfach nur glücklich sein kann  und wo wir uns irgendwann mal „wiederspüren“.